Weingut Bauer • Terrassen Roter Veltliner trocken 2024 • Wagram • Österreich
Rot statt grün
und trotzdem ein Veltliner. Ganz ohne Verwandtschaftsverhältnis – und ohne politisches Statement.
Ich liebe ja die (mir) unbekannteren Rebsorten. So kam ich vor ein paar Jahren beim Schlendern über eine Weinmesse nicht umhin, beim Stand der Familie Bauer mit ihrem Weingut im Wagram in Österreich 🇦🇹 halt zu machen. Roter Veltliner dachte ich – klingt spannend. Und genau das ist er auch.
Im Wagram ist er eine Spezialität – ja sogar eine autochtone (= einheimische) Rarität. In vielen Betrieben gehört er ungebrochen zum Sortiment, auch wenn ihm mengenmäßig längst der Grüne Veltliner den Rang abgelaufen hat.

Bevor dieser seinen Siegeszug begann, war der Rote Veltliner sogar die beliebteste Rebsorte in dem Anbaugebiet südwestlich von Wien – auch wenn die Ertragsmenge gering und die Traube im Anbau eine echte Diva ist. Luftige Böden sind sein Ding. Hitze und Trockenheit steckt er gut weg – Frost und Pilzkrankheiten dagegen setzen ihm ordentlich zu. Und als wäre das nicht genug, ist er auch noch spät dran mit der Reife. Nicht gerade ein Selbstläufer im Weinberg.
Mit dem „Grünen“ ist er übrigens überhaupt nicht verwandt, sondern verdankt seinen Namen schlicht der rötlichen Farbe seiner Schale. Und auch wenn der Name anderes vermuten lässt: Im Glas landet ein waschechter Weißwein.
Eine Verwandtschaft verbindet ihn aber mit zum Beispiel dem Neuburger oder Rotgipfler, dessen Vorfahre er ist. Ich könnte mich jetzt noch tiefer in Herkunft und Genetik verlieren, spare mir das aber zugunsten des Unterhaltungswerts. Wer dennoch mehr wissen möchte, wird hier fündig.
Nun aber endlich zum Geschmack.
In einem Satz: Gar nicht viel Säure, dafür eine vollmundige Fruchtigkeit.
Um im allseits beliebten Frucht- und Blumenjargon zu bleiben, bewegt sich dieser Wein irgendwo zwischen einem Obstkorb voller Äpfel und einer Blütenwiese an einem Sommernachmittag. Ein Hauch Exotik schleicht sich dann auch noch dazu. Da hat’s eine Melone sowie ein bisschen Ananas und einen Hauch Holunderblüte. Im Finale zeigt er noch eine feine, ganz leichte Herbe, die ihm genau die richtige Spannung verleiht.
Kurzum ein ausbalancierter, charmanter und zugänglicher Wein. Für mich ein echter Alleskönner – einer, der wunderbar für sich allein stehen kann, aber genauso entspannt fast jedes Essen begleitet.
Ich habe ihn zuletzt als Kompagnon zu einer Zucchini-Frittata mit Ziegenfrischkäse im Glas gehabt. Köstlich!
👉 Das passende Rezept findet ihr übrigens in meinem Instagram-Feed.
Das Agenten-Urteil:
Wer wirklich Lust auf Neues hat und sich gern abseits der ausgetretenen Weiß- und Grauburgunderpfade bewegt, sollte hier unbedingt zugreifen.
Der Rote Veltliner ist noch keiner, den man ständig im Glas hat – aber einer, an den man sich schnell gewöhnt.
Mein Tipp: Gleich ein paar Flaschen mehr einplanen. Und wenn ihr schon bestellt, legt euch auch einen Donauveltliner (tatsächlich eine Veltliner-Kreuzung) mit in den Warenkorb. Zum Vergleich – und weil es sich lohnt.
Und ja: Ein Grüner Veltliner geht natürlich immer. Aber manchmal darf es eben auch ein bisschen weniger offensichtlich sein.
Die Fall-Fakten:
Weingut Bauer • Terrassen Roter Veltliner trocken • Jahrgang 2024 • 12% Alk. • Wagram, Österreich • 0,75l für ca. €9,00.
Bestellen direkt beim Weingut.
Das WeinSpion-Fazit
9 von 10
Einschenken, wie immer, auf eigene Gefahr.
Bleibt uns gewogen – bis zum nächsten Fall rund ums Glas.

