Maison Charles de Cazanove • Tête de Cuvée brut N.V. • Reims, Champagne • Frankreich
Tête-à-Tête mit Casanova
Champagner – das verführerische Gold mit seinen feinen, aufsteigenden Bläschen, das bei mir stets sofort die Stimmung hebt.
An Verführung denkt man auch unmittelbar, wenn der Name Casanova – oder wie hier Cazanove – ins Spiel kommt.
Mit dem berühmten Giacomo Casanova hat das Champagnerhaus Charles de Cazanove historisch zwar nichts zu tun. Der eine eroberte Salons, das andere Gläser – aber beide Namen umweht bis heute ein Hauch von Charme, Eleganz und prickelnder Legende.
Die Parallele endet jedoch nicht allein beim Klang: Ein Vorfahre und Glasmachermeister der Familie Bigault de Cazanove reiste bereits im 16. Jahrhundert in das damalige Zentrum der Glaskunst, um dort sein Wissen und Handwerk zu vervollkommnen und nach seiner Rückkehr nach Frankreich an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben.
Im Jahr 1811 dann kommt der Champagner in die Familie. Der Nachfahre Charles Gabriel gründet seine Maison „Charles de Cazanove“ im Herzen der Côte des Blancs in Avize. Für die Beibehaltung des Namens „Cazanove“ soll er sich bewusst entschieden haben – als Hommage an familiäre Wurzeln und die venezianische Prägung: Casanova, also „Neues Haus“, französisiert zu Cazanove. Eine Reminiszenz, die unweigerlich an Casanova erinnert, auch wenn sie eine ganz eigene Geschichte erzählt.
Sein Sohn Charles Nicolas trug maßgeblich zum Wachstum des Hauses bei und machte es zu einer festen Größe.
1902 ließ König Edward VII. den Champagner eigens mit persönlichem Etikett aus Frankreich importieren; nach dem Ersten Weltkrieg und dem Tod zweier Familienerben blieb das Haus zunächst in Familienhand, wechselte ab 1954 jedoch schrittweise durch Beteiligungen und Übernahmen den Besitzer.
Die seit Beginn des 20. Jahrhunderts in der Champagne verwurzelte Familie Rapeneau übernahm dann 2004 das Unternehmen und leitete damit eine neue Ära von Stabilität, Wiederaufstieg und fester Verankerung – jetzt im historischen Herzen von Reims – ein.
Geschichte kann jedoch blenden. Namen können verführen. Bei Champagner zählt am Ende nur eines: das Prickeln der Gegenwart. Kann die Maison Charles de Cazanove mit ihrer “Tête de Cuvée” also nicht nur historisch glänzen, sondern auch im Glas verführen?

Diese Frage ist geradeheraus und unumwunden mit einem lauten Ja zu beantworten.
Hier stimmt einfach alles:
Die feine Perlage, die präsent ist, ohne je zu viel zu sein. Die Säure, exakt richtig ausbalanciert. Die Fruchtigkeit, trocken und angenehm dezent. Selbst die für viele so champagnertypische Brioche-Note erinnert eher an Eleganz als an Bäckerei.
Dass hier neben Pinot Noir (40 %) und Chardonnay (20 %) eben ganze 40 % der Cuvée auf Pinot Meunier entfallen, dürfte kein Zufall sein: Das hält die „Tête de Cuvée“ angenehm klassisch, ausgewogen und erfreulich fern jeder allzu fruchtigen Beliebigkeit.
Dieses prickelnde Prachtexemplar macht als Aperitif zu kräftigen Häppchen eine ebenso glänzende Figur wie zum Hauptgang mit Hühnerfrikassee oder später zum Erdbeerdessert im Glas. Und nach dem Essen sowieso.
Kurzum: ein prickelndes All-night-long-Vergnügen im Glas.
Das Agenten-Urteil:
Champagner im unteren Preissegment bis 50,00 € gibt es – und zwar ziemlich guten. Es müssen nicht immer die großen Häuser und bekannten Namen sein. Ich schätze, diese Erkenntnis ist in der Weinwelt da draußen längst angekommen. Veuve Clicquot und Moët & Chandon sind vielleicht tatsächlich nur noch etwas für Blender. Wobei ich die Jahrgangschampagner an dieser Stelle lieber außen vor lasse – denn selbst ich würde einen Dom Pérignon nur äußerst ungern von der Bettkante stoßen.
Die Fall-Fakten:
Maison Charles de Cazanove • Tête de Cuvée brut • N.V. • 40% Pinot Noir, 40% Pinot Meuniers & 20% Chardonnay, 12% Alk. • Reims, Champagne, Frankreich • 0,75l
Leider ist diese Cuvée derzeit nirgendwo online bestellbar – also haltet im Fachhandel die Augen auf.
Aber: Für geschmeidige €29,99 gibt es bei Lidl Online den “kleinen Bruder” – einen Premier Cru, mit einer Assemblage aus 80% Pinot Noir und 20% Chardonnay, der sich hervorragend als Aperitiv-Allrounder eignet, da er sich etwas frischer und fruchtiger im Glas präsentiert.
Das WeinSpion-Fazit
8,5 von 10 Lupen
Einschenken, wie immer, auf eigene Gefahr.
Bleibt uns gewogen – bis zum nächsten Fall rund ums Glas.

