Das böse Lecker


Über das böse Wort lecker im (Wein-) Wortschatz. Es gibt da nämlich so einige Worte in der deutschen Sprache, die man besser mit Vorsicht gebraucht. Z.B. nett, interessant, lecker, etc.

Der ist aber … lecker!

Die Tage habe ich einen (wirklich!) interessanten Artikel auf dem Blog von Dirk Würtz gelesen. Dort ging es um die (eigene) Wahrnehmung von Menschen, die beruflich mit Wein zu tun haben und um deren Gegenüber, also die Konsumenten und Weinfreunde. Sehr lesenswert.

Hintergrund der Story war eine Präsentation bei K&M Gutsweine in Frankfurt und Dirk nahm dies zum Anlass mal darüber nachzudenken, wie weit die reale und die virtuelle Weinwelt auseinanderliegen.

Oder anders gesagt: Wie kommt das Gesagte beim Empfänger an?

Unter anderem schreibt er:

Das böse “lecker” fiel gestern sicherlich einhundertmal. Ich musste andauernd leicht Lächeln, weil ich versuchte mir den einen oder anderen vorzustellen, der dieses Wort so ablehnt und verachtet und mit Coca.Cola und Fastfood gleichsetzt. Gestern war “lecker” ein Prädikat. Eine Auszeichnung.

Dirk Würtz

Sehe ich übrigens genauso. Wenn ich persönlich das Wort “leckerverwende, meine ich es auch so. Ohne Doppeldeutigkeit. Einfach nur im Sinne von “Es hat mir geschmeckt“. Nicht so, wie man auf die Frage, wie denn das Essen geschmeckt hat, auch gerne mal mit einem halbverlegenen “interessant” antwortet. Oder, dass man als Mann ganz genau weiß, dass man keinen “Stich” macht es aussichtslos ist, wenn einen die Angebetete bei ihren Freundinnen als “nett” bezeichnet.

An ein anderen Stelle zuvor im Text bemerkt Dirk:

Der reale Weintrinker, nicht der virtuelle Weinbesserwisser, hat einen Antrieb, der weit über den der virtuellen Spezies hinausreicht und sehr effektiv ist. Er trinkt Wein aus Freude und weil er Lust dazu hat. Das macht ihn sehr tolerant und wenig besserwisserisch!

Dirk Würtz

Hm. Da frage ich mich natürlich, wo ich eigentlich stehe? Natürlich bin ich zuerst mal Weintrinker mit reichlich Lust auf Wein. Aber bin ich nicht auch schon – alleine aus der Tatsache heraus, dass ich darüber blogge – zwangsweise ein Weinbesserwisser? Möglich. Na gut, wenn es denn so ist, dann möchte ich den Terminus wenigstens noch wenig “geradebiegen”.

Aus Sicht meines Freundeskreise bin ich mit Sicherheit ein 100%iger Weinbesserwisser. Aber ich persönlich sehe mich viel lieber als Weinbesserwissenwoller mit immer neuer Lust auf Weinwissen, Hintergründe und den Wein selbst. Was ich dann darüber schreibe, ist eigentlich nur meine persönliche Reflektion darauf. Und bisher stehe ich bei jeder Verkostung / Präsentation VOR dem Tisch mit den Proben, nicht DAHINTER. Sag ich mal so…

PS. Bei den Amerikanern gibt es auch so eine missverständliche Phrase: “Great!”