Weinmagazine: Print vs. Print vs. Web


Es war ja eigentlich nur eine Frage der Zeit bis sich auch der Weinspion mit dem Thema Wein-Printmagazine vs. Wein-Webseiten auseinandersetzt.

Nachdem sich dann heute Morgen auf dem Blog von Mario Scheuermann eine interessante und auch nicht ganz emotionslose Diskussion zu eben diesem Thema entwickelte, möchte ich die “Problematik” hier mal aus meiner Sicht beleuchten. Grundsätzlich ist das Internet ja an fast Allem schuld: an der zunehmenden Vereinsamung der Menschen, an der Pleite der Pay-TV-Sender, an den Amokläufen (zumindest wenn nicht explizit CounterStrike daran schuld war), am Niedergang der abendländischen Kultur, etc.pp.

Und natürlich in erster Linie am Zerfall des klassischen Print-Journalismus. Die gilt übrigens fachbereichsübergreifend für annähernd alle Bereiche des Prints (Tageszeitungen, Magazine, …) aber auch im besonderen für die diversen “Wein-Blätter”. Wie man beim Drink Tank nachlesen kann haben speziell die “Etablierten” enorm Federn lassen müssen. Laut Scheuermann Vinum – 19%, Weinwelt -16% und Selection gar -68%. Tja, irgendwas ist da wohl faul. Der Rückgang liegt jedenfalls überhalb der natürlichen demagogischen Ausdünnung der so geschätzten Kernzielgruppe 60plus. Ist der Deutsche plötzlich kein Weinfreund resp. Weintrinker mehr? Hm, der Handel jammert zwar auch fortweg, aber die Weinverkaufszahlen sind ja wohl nicht wirklich rückläufig!? Dann liegt es am Ende doch am Internet und seinen Bloggern, Twitterern, Facebookern oder wie auch immer noch sich ambitionierte Weinfreunde (kommerziell und privat) autauschen!?

Das hohe Wein-Ross

Mitnichten. Oder besser gesagt: nicht allein. Denn bei dem ganzen  Rauschen im analogen Blätterwald hören viele nicht das Kreischen der Motorsägen, mit denen sie an den Ästen sägen auf denen sie sitzen! Oder in manchen Fällen direkt den ganzen Baum fällen! Denn das Medium Internet hat ja nicht nur Vorteile gegenüber dem Print. Hier kann die digitale Welt vor allen Dingen in der Kürze der Reaktionszeit, der Interaktion (sprich: Feedback, Dialog), der fast omnipräsente Verfügbarkeit oder in der niedrigen Schwelle für Selbermacher punkten.

Dem entgegen steht aber die fehlende Haptik, die Softwaregenarations-bedingte Halbwertzeit der Archivierung sowie die zumeist (aber: nicht immer)  höhere journalistische Qualifikation der hauptberuflichen Macher. Gerade der letzte Punkt führt leider oft – teilweise in maßloser Selbstüberschätzung, teils aber aus Angst um den eigenen Arbeitsplatz – zu einem Verhalten, welches mich an das Sitzen im Elfenbeinturm erinnert. Ohne jedoch zu merken wie das Fundament bröckelt.

Zum Glück liest man aber auch immer häufiger den Hinweis (auf beiden Seiten) dass sich Print und Web durchaus ergänzen können. Speziell unser Lokalmatador, die Rheinzeitung, hat hier wohl die Zeichen der Zeit erkannt und weiß sie für sich zu nutzen. Das bringt ihr zwar keine Massen an neuen Abonenten, aber überregionale Reputation und damit vielleicht doch den ein oder anderen neuen Käufer am Kiosk.

Und weiter?

Vorauf ich aber eigentlich hinaus will, findet sich in der Überschrift dieses Artikels. Denn es gibt noch einen Faktor in dieses Markt: den Print! Ja wie jetzt: Print vs. Print vs. Web? Oder – um die Verwirrung komplett zu machen: Print vs. Print vs. Web vs. Web! Alles klar? Geht aber auch einfacher: Das Bessere ist der Feind des Guten! (Voltaire). Denn nicht nur “neue” Techniken wie das Internet nagen am Stand der etablierten Wein-Blätter, es sind auch die “Neuen” am Kiosk, die sich ihren Teil vom Kuchen holen wollen. Fairerweise keine reinen Weinzeitschriften, aber immerhin spielt auch hier das Thema Wein eine nicht unwesentliche Rolle. Als Beispiele nenne ich nur mal Beef und Effilee.

Wie außerdem bei Eckhard Supp zu lesen ist, gibt es (neben den ganz neuen) auch Food-Magazine mit steigenden Auflagen. Im direkten Vergleich stellt man dann auch gleich fest, dass hier nicht nur die Themen breiter aufgestellt sind sondern auch die Wortwahl eine andere ist. Aber bitte glaubt jetzt nicht dass es reicht einen Wein “phatt” anstatt “opulent” zu nennen, der Schuss ginge mit Sicherheit nach hinten los! Apropos Web vs. Web. Das Prinzip der Authentizität und Qualität gilt übrigens auch uneingeschränkt für alle Online-Publikationen. Am Ende werden nämlich auch hier die Besseren überleben. Und das sogar als Paid-Content!

Auf zu neuen Ufern!

Mein Fazit lautet daher: Vernetzt die zur Verfügung stehenden Kanäle crossmedial, nutzt aus beiden “Welten” die Vorteile und orientiert Euch am realen Geschmack der Zielgruppe, z.B. meinem. Denn nicht nur im Weinsektor kann man das Blog-, Facebook und Twitter-Lesen auch als “dem Volk auf Maul schauen” verstehen. Manche haben das bereits begriffen. Andere werden (noch) untergehen. Wie schreibt Supp so schön:

Bleibt nur die Frage, wann sich endlich ein Verleger (ich meine einen richtigen Verleger, keinen Controller, Juristen oder Buchhalter) findet, der in der Lage ist, eine wirklich gute Weinzeitschrift auf die Beine zu stellen. Ich würde ihm glatt eine schöne Flasche Wein aus meinem Keller spendieren ….

Recht hat er. Na dann, ergänzt z.B. um eine Web-basierte Knowlegdebase, eine gesunde Community oder ein digitales Archiv wäre eine wirklich moderne Weinzeitschrift eine lösbare Aufgabe! Oder?

PS. Bei der Verkostung DER Spende wäre ich gerne dabei.