Wein-Journalisten vs. Wein-Blogger


Eckhard Supp, seines Zeichens Journalist und Herausgeber von ENO WorldWine, hat auf dem WorldWine Blog einen interessanten Artikel über das Verhältnis von (Wein-) Journalisten und (Wein-) Bloggern unter- und miteinander verfasst.

Wer schreibt warum?

Im Grunde geht es ihm darum, welche Gründe ein einzelner Blogger verfolgt, wenn er über Wein schreibt und welche Probleme die „professionell“ schreibende Zunft der Printmedien darin sieht. Oder zumindest Teile davon. Richtigerweise unterstellt er dem Großteil der twitternden und bloggenden Winzer und Weinhändler einen kommerziellen Hintergrund. Sie informieren auf den oben genannten Kanälen ihre (potentiellen) Kunden über neue Weine und Sortimente um ihnen diese schmackhaft zu machen.

Und (bis auf wenige Ausnahmen) nicht um des Informierens Willen. Richtig. Ist deshalb aber die Qualität der Information schlechter? Möglicherweise. Aber nicht zwingend.


Weinjournalisten haben nämlich den gleichen Ansatz: Verkaufen. Nur geht es ihnen nicht um die Weine an sich, sondern um die Blätter, für die sie arbeiten. Warum sollte ich also nun ein Wein- oder Gourmetjournal kaufen, wenn ich die Information frei Haus via Internet bekomme? Und warum soll ich quasi auf „alte“ Informationen „warten“, wenn ich diese z.B. per Twitter unmittelbar erhalten kann?

Natürlich erwarte ich von einem Journalisten die besseren Formulierungen und vielleicht auch die tiefgründigere Recherche, aber wer bitte soll denn – bezogen auf seine eigenen Produkte –  die tieferen Kenntnisse besitzen wenn nicht der Winzer selbst? Und wer soll nicht den allgemeinen und individuellen Kundengeschmack besser abschätzen können als der Weinhändler, der ja genau von dieser Kenntnis und Erfahrung unmittelbar lebt?


Doch wo liegt nun der Anspruch und das Interesse z.B. des WeinSpions? Supp hat Blogs wie diesen in seine Betrachtungen nicht mit eingeschlossen:

Irgendwo dazwischen, im weiten Nirwana der virtuellen Welten, stehen dann die rein (!?!) privaten Blogger, die sich mit anderen, ebenso privaten Interessenten, über ihre Lieblingsweine, ihre Lieblingsflops und Sonstiges austauschen wollen, aber die will ich hier einmal außen vor lassen.

E. Supp

Bleibt also nur die Selbstbetrachtung. Wir sehen uns als kommunikatives, interaktives und unzensiertes Feedback der Konsumenten an alle Wein-Interessierten. Das können andere Weinfreunde ebenso sein wie Winzer, Händler oder auch die Fachpresse. Wir beschreiben das, war wir trinken. Und manchmal auch warum wir dies tun.

Unsere Formulierungen mögen unter Umständen holprig oder nicht fachspezifisch genug sein und auch die „genormten“ Begriffe des „Aromarades“ sitzen (noch) nicht sicher, aber wir schreiben es genau so, wie wir es meinen. Und ob wir nun 20, 200 oder 2.000 Leser haben, kratzt vielleicht mehr oder weniger am Ego des einzelnen „Agenten“, hat aber keine Auswirkungen auf das, was und wie wir es hier schreiben. Oder twittern.


Genau hier liegt dann auch die Chance für alle Beteiligten im internationalen medialen Weinzirkus. Die Weinwirtschaft informiert uns Konsumenten über Neues und Wissenswertes, die (kommerziellen) Medien ergänzen und analysieren diese Informationen aus ihrer Sicht und wir Weinfreunde und Weintrinker melden unsere persönliche Erfahrung auf Kanälen wie diesen als Feedback zurück. Vielleicht nicht repräsentativ, aber zumindest ungeschminkt.

Ach ja. Und vielleicht löst man sich als „WeinSpion“ ein wenig aus der Menge der anonymen Konsumenten heraus 😉 …

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5 thoughts on “Wein-Journalisten vs. Wein-Blogger

  1. das ist genau die Sprache, die wir brauchen. Ich will die Weinblogger-Szene als Sprachrohr von Konsument (mit kommerziellen Anspruch) an die Konsumenten sehen.
    Die „internetverseuchten“ können mit dem Anspruch vieler Journalisten, die sich an eine abgehobene Klientel richten, nichts mehr anfangen.
    gleich mal anpingen 😉

  2. ps: es waren natürlich nur 200 Weine an einem Tag – da ist mir eine Null zuviel aus den Fingern gerutscht:-).

  3. und vielleicht geschieht ja eines Tages in Deutschland auch das, was sich in Frankreich gerade rund um die Amateur-Weinblogger tut: die wurden nämlich gerade vor 14 Tagen von der berühmten und finanzstarken Union des Grands Crus de Bordeaux zu einem verlängerten Wochenende nach Bordeaux eingeladen. Alle Kosten (Fahrt, Hotel, Essen, Verkostungen ) bezahlt – dazu noch die Möglichkeit, 2000 Primeurs zu verkosten – einer der teilnehmenden Blogger schätze den Wert der von ihm gespuckten Schlöuicke auf locker 2500€:-).

    Dass die daraufhin geschriebenen Artikel der Blogger nicht unbedingt in Hofberichterstattung endeten, sondern durchaus kritisch waren, läßt mich hoffen, dass Deine Einschätzung, dass bei vielen privaten Weinbloggern noch ungeschminkt berichtet wird, ihre Berechtigung hat:-)

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