Feudo Arancio • Grillo 2024 • Sizilien, Italien


Achtung, jetzt kommt ein Karton

 

 

Die Älteren erinnern sich vielleicht an diese kabarettistische Einlage aus den 1980er Jahren, den Jüngeren kann’s egal sein. Hier kommt jedenfalls kein Cartoon, sondern tatsächlich ein Karton: nämlich eine Bag-in-Box-Empfehlung. In diesem Fall sogar die 5 Liter-Variante. Und wer immer noch Vorbehalte gegen Wein aus der Pappschachtel hat, darf nach wie vor auch noch ganz entspannt zur Flasche greifen; der Inhalt bleibt der gleiche.

Mit diesem Grillo von Feudo Arancio aus Sizilien, einer dort einheimischen, also autochthonen Rebsorte, kommt süditalienische Lebensfreude ins Glas.

Die sonnenverwöhnte Traube mit robuster Schale wurde anfangs fast ausschließlich für die Marsala-Herstellung verwendet, bis sie in den 90er Jahren ihren Erfolgsweg als trockenen Weißwein begann. Ob ihre goldene Farbe oder ihre Widerstandsfähigkeit der Traube den Namen eingebracht haben – und sie deshalb nach der „Grille“ (il grillo) benannt wurde -, bleibt Spekulation. Sicher ist nur: Ein Grillo ist selten eine schlechte Entscheidung.

Bei dieser gekelterten Ausgabe hier zeigt sie sich dann in einem frischen, hellen (Gold-)Gelb mit grünlichen Reflexen im Glas. Dann ist da für mich ganz klar Pfirsich im Beutel – scusi, am Gaumen. Und damit im Vordergrund – saftig, präsent, bestimmend. Dahinter zeigen sich dezente, leicht kräutrige Noten, die dem Wein zusätzliche Spannung verleihen. Schmeckt man noch genauer hinein, entdeckt man ganz sicher seinen persönlichen, exotischen Fruchtsalat. Wer sonst Probleme mit Säure hat, wird sich bei diesem Wein bedanken – die bleibt angenehm zurückhaltend.

Kein Leichtgewicht: Der Wein besitzt einen durchaus strukturstarken Körper und bleibt bemerkenswert lange im Nachhall. Der relativ hohe Alkoholgehalt ist verdammt gut eingebunden; „brennt“ nicht. Gerade diese Substanz macht ihn für mich zu einem überzeugenden Essensbegleiter zu jeder Jahreszeit – weit entfernt von einem belanglosen Terrassenwein für den Sommer. Am wohlsten fühlt er sich in mediterraner Begleitung: gegrillter Fisch oder Meeresfrüchte, Pasta mit vielen Kräutern oder Gemüse mit „Trallala“ aus dem Ofen. Wer Inspiration braucht: Auf meinem Insta gibt’s einen Rezept-Tipp dazu.

Nun zurück zum eigentlichen Star im Glas: Wirklich fabelhaft also, dass es ihn im großen Format gibt – denn einmal angezapft, dürfte der Inhalt schneller verschwinden als gedacht. Bei diesem Preis-Leistungs-Verhältnis fällt die Kaufempfehlung leicht. Ich jedenfalls bin großer Fan dieses Prachtexemplars.

 

Notiz am Rande:
Wein in der Bag-in-Box ist keineswegs eine moderne Sparmaßnahme, sondern eine Erfindung aus den 1960er-Jahren. Entwickelt wurde das System vom amerikanischen Ingenieur William R. Scholle, dessen Firma Scholle Corporation die Kunststoffblase im Karton ursprünglich für industrielle Flüssigkeiten konzipierte. Ihren eigentlichen Durchbruch erlebte sie in Australien — wo man früh erkannte, dass diese Verpackung Wein erstaunlich gut schützt und länger frisch hält. So begann ihr weltweiter Siegeszug – besser geht’s doch kaum!

 

Agentin Cirsten empfiehlt:

Große Mission? Dann auf jeden Fall 5-Liter-Bag-in-Box.

Kleine Mission? Die 0,75-l-Flasche reicht völlig – italienisches Dolce Vita gibt’s in beiden Fällen garantiert.

 

Die Fakten:

Feudo Arancio • Grillo • Jahrgang 2024 • 13% Alk. • Sizilien, Italien • 5l-Bag-in-Box für €26,00 / 0,75l für €5,95 

Zu kaufen bei Jacques’ Weindepot – auch online 

 

Die Bewertung in Lupen:

9 von 10

 

 

 

 

 

 


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